Warum ein Roadtrip durch Süditalien?
Wenn ich an Süditalien denke, habe ich sofort das Glitzern der Adria vor Augen, den Duft von Zitronen und Pinien in der Nase und das Echo von Kirchenglocken in kleinen, weißen Dörfern im Ohr. Ein Roadtrip von Apulien bis zur Amalfiküste ist für mich die vielleicht schönste Art, Italien zu erleben: flexibel, nah an den Menschen, immer mit der Möglichkeit, einfach spontan an einem Traumstrand oder in einem Bergdorf anzuhalten.
In diesem Artikel nehme ich dich mit auf meine Lieblingsroute durch den Süden: von den Felsen der Gargano-Halbinsel, über die weißen Städte Apuliens, die Trulli im Valle d’Itria, das barocke Lecce und die rauere Basilikata bis hin zur spektakulären Amalfiküste.
Die beste Reisezeit und praktische Tipps für den Roadtrip
Für einen Roadtrip durch Süditalien empfehle ich dir vor allem die Monate April bis Juni und September bis Mitte Oktober. Im Juli und August ist es sehr heiß und an den Küsten oft überfüllt – dann reisen vor allem viele Italiener selbst in den Süden. Im Frühling ist das Licht weich, die Natur saftig grün und du bekommst meist bessere Preise für Unterkünfte.
Für die Anreise hast du mehrere Möglichkeiten:
- Flug nach Bari oder Brindisi und dort ein Auto mieten – ideal, wenn du dich auf Apulien und die Amalfiküste konzentrierst.
- Flug nach Neapel – praktischer Startpunkt, wenn du die Amalfiküste zuerst besuchen willst und dann Richtung Südosten fährst.
- Anreise mit eigenem Auto aus Deutschland über den Brenner oder die Schweiz – längere Fahrzeit, aber maximale Flexibilität.
Ich miete in Italien gern ein etwas kleineres Auto: Die Straßen in den historischen Ortskernen und an der Amalfiküste sind oft eng und kurvig. Achte unbedingt auf Parkregelungen – vor allem in den Küstenorten gibt es viele Zonen nur für Anwohner.
Erster Stopp: Gargano – der „Sporn“ des italienischen Stiefels
Der Gargano, diese markante Halbinsel im Norden Apuliens, wirkt wie eine eigene kleine Welt: steile Kalksteinküsten, einsame Buchten, ein dichter Wald im Landesinneren und weiße Küstenstädtchen, die sich an die Klippen klammern.
Ich starte gerne in Vieste, einem malerischen Städtchen mit einer Altstadt, in der die Gassen so eng sind, dass du manchmal fast beide Hauswände berühren kannst. Von der Strandpromenade aus blickst du auf den berühmten Felsen „Pizzomunno“, der wie ein Wächter über die Bucht ragt.
Was du am Gargano auf keinen Fall verpassen solltest:
- Bootstour entlang der Küste – Du entdeckst Meereshöhlen, kleine Buchten und spektakuläre Felsformationen, die du vom Land aus nie sehen würdest.
- Besuch von Peschici – ein weiteres weißes Städtchen mit traumhaftem Blick über die Bucht, besonders im Abendlicht atemberaubend.
- Foresta Umbra – ein schattiger Buchen- und Eichenwald im Landesinneren; perfekt für eine kleine Wanderung, wenn die Küstenhitze zu stark wird.
Weiße Städte und Traumstrände: Von Polignano a Mare nach Ostuni
Weiter geht es Richtung Süden entlang der Adriaküste. Ein absolutes Highlight ist Polignano a Mare. Die Altstadt sitzt auf hohen Klippen direkt über dem Meer; von den Aussichtspunkten blickst du in eine dramatische Felsbucht, in der ein kleiner Kieselstrand wie hineingegossen wirkt. Ich liebe es, hier früh morgens durch die Stadt zu schlendern, wenn die meisten Besucher noch schlafen.
Ein paar Kilometer weiter landeinwärts wartet die „Città Bianca“ Ostuni auf dich. Die Stadt leuchtet in einem intensiven Weiß, das im Kontrast zum blauen Himmel fast unwirklich wirkt. Ein Spaziergang durch die Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen, hübschen Plätzen und kleinen Cafés ist für mich jedes Mal wie eine Zeitreise.
Strandliebhaber kommen zwischen Monopoli, Torre Canne und den Naturstränden bei Rosa Marina voll auf ihre Kosten: lange Sandstrände, flaches, klares Wasser – ideal auch für Familien.
Valle d’Itria und Trulli: Alberobello, Locorotondo & Martina Franca
Sobald ich in das Valle d’Itria fahre, verändert sich die Landschaft: Trockensteinmauern säumen die Straßen, Olivenbäume stehen wie Skulpturen auf den Feldern und überall tauchen plötzlich die typischen Trulli auf – diese runden, weiß getünchten Häuser mit Spitzdach aus grauen Steinen.
Der bekannteste Ort ist Alberobello, UNESCO-Weltkulturerbe und zurecht berühmt. Ja, es kann hier sehr touristisch werden, aber wenn du früh morgens oder am späten Nachmittag kommst, liegt eine fast märchenhafte Atmosphäre über den Gassen. Viele Trulli beherbergen kleine Läden oder Unterkünfte – einmal in einem Trullo zu übernachten, kann ich dir sehr empfehlen.
Mindestens ebenso charmant, aber etwas ruhiger, sind:
- Locorotondo – kreisförmig angelegte Altstadt, Blumen an jeder Ecke, fantastische Aussicht über die umliegenden Hügel.
- Martina Franca – barocke Palazzi, elegante Plätze, weniger bekannt als Alberobello, aber mit viel authentischem italienischem Alltagsleben.
Salento: Das „Karibik“-Ende des Stiefelabsatzes
Wer Süditalien sagt, meint oft auch Salento, die südlichste Spitze Apuliens. Hier treffen sich Ionisches und Adriatisches Meer, und an manchen Tagen ist das Wasser so türkis, dass ich wirklich zweimal hinschauen muss.
Besondere Orte im Salento, die ich dir ans Herz legen möchte:
- Lecce – oft „Florenz des Südens“ genannt, mit beeindruckender Barockarchitektur, einer lebhaften Altstadt und einem wunderbar entspannten Flair.
- Otranto – weiße Altstadt, eine mächtige Burg, ein Dom mit faszinierendem Mosaikboden und ein Blick aufs Meer, der einfach glücklich macht.
- Gallipoli – Altstadt auf einer kleinen Insel, umgeben vom Meer, besonders schön bei Sonnenuntergang.
- Strände wie Punta Prosciutto oder Torre Lapillo – flach abfallende, feinsandige Buchten; für mich einige der schönsten Strände Italiens.
Von Apulien in die Basilikata: Matera und die Sassi
Nun führt der Roadtrip weg von der Küste ins Landesinnere, in die Basilikata. Die Landschaft wird karger, rauer, gleichzeitig unglaublich eindrucksvoll. Nach ein paar Stunden Fahrt erreichst du Matera, eine Stadt, die man so in Europa kaum ein zweites Mal findet.
Die berühmten Sassi sind in den Fels gehauene Höhlensiedlungen, die sich wie ein Amphitheater über die Schlucht ziehen. Früher als armes, fast vergessenes Viertel verschrien, sind die Sassi heute UNESCO-Welterbe und faszinierender Mix aus Geschichte, Kunst, Design und Hotellerie. Ich empfehle dir unbedingt eine geführte Tour, um die bewegte Geschichte dieser einzigartigen Stadt zu verstehen.
Von den Aussichtspunkten auf der gegenüberliegenden Seite der Schlucht, im Parco della Murgia Materana, hast du einen großartigen Blick auf das Felsenlabyrinth der Stadt – vor allem in der Dämmerung, wenn die Lichter angehen.
Auf dem Weg zur Amalfiküste: Paestum und Cilento
Bevor es an die berühmte Amalfiküste geht, lohnt ein Abstecher nach Paestum in Kampanien. Hier stehen drei der am besten erhaltenen griechischen Tempel der Welt – massive, honiggelbe Säulen inmitten einer weiten Ebene, in der heute Wasserbüffel grasen, aus deren Milch der berühmte Mozzarella di Bufala hergestellt wird.
Etwas weiter südlich beginnt der Cilento-Nationalpark, weniger bekannt als die Amalfiküste, dafür deutlich ruhiger. Kleine Küstendörfer, naturbelassene Strände und ein bergiges Hinterland machen den Cilento für mich zu einem idealen Zwischenstopp, bevor der Trubel der Amalfiküste beginnt.
Die Amalfiküste: Spektakuläre Kurven zwischen Sorrent und Salerno
Die Fahrt entlang der Amalfiküste gehört zu den eindrucksvollsten Roadtrip-Strecken Europas – und zu den anspruchsvollsten. Die Straße windet sich in unzähligen Kurven die Steilküste entlang, oft nur einspurig mit Gegenverkehr, Bussen und Mopeds. Ich plane hier bewusst kurze Fahrstrecken ein und nutze, wo möglich, öffentliche Busse oder Boote zwischen den Orten.
Zu meinen Lieblingsorten zählen:
- Positano – vielleicht der berühmteste Ort, mit pastellfarbenen Häusern, die wie ein Wasserfall den Hang hinunterfließen. Sehr mondän, sehr voll, aber auch wahnsinnig fotogen.
- Amalfi – ehemalige Seerepublik mit imposantem Dom und lebendiger Piazza. Perfekter Ausgangspunkt für Bootsausflüge entlang der Küste.
- Ravello – etwas oberhalb der Küste gelegen und dadurch ruhiger; die Gärten der Villa Rufolo und Villa Cimbrone gehören für mich zu den schönsten Aussichtspunkten Italiens.
- Sorrent – oft als Tor zur Amalfiküste betrachtet, mit Blick auf den Vesuv und guten Fährverbindungen nach Capri und Neapel.
Aktivitäten unterwegs: Wandern, Kultur & Meer
Ein Roadtrip durch Süditalien ist für mich viel mehr als nur Autofahren von A nach B. Es ist die Mischung aus Kultur, Natur und Meer, die diese Region so besonders macht.
- Wandern: Der „Sentiero degli Dei“ (Pfad der Götter) an der Amalfiküste bietet spektakuläre Ausblicke. Im Gargano und im Cilento gibt es ebenfalls zahlreiche Wanderwege durch Wälder und entlang der Küste.
- Kultur & Geschichte: Neben Matera und Paestum laden unzählige kleine Kirchen, normannische Burgen und barocke Altstädte zum Entdecken ein – plane Zeit für spontane Stopps ein.
- Bootsausflüge: Ob zu versteckten Buchten im Gargano, entlang der Amalfiküste oder zu den Grotten rund um Polignano – die Küsten aus der Perspektive vom Wasser zu sehen, verändert alles.
- Strandtage: Zwischen langen Fahrten gönne ich mir gern ganze Tage am Meer – ideal zum Durchatmen und Ankommen.
Übernachten: Von Masserien bis Boutiquehotels
Die Auswahl an Unterkünften in Süditalien ist groß und oft sehr charaktervoll. In Apulien liebe ich besonders die Masserien – ehemalige Gutshöfe, die zu charmanten Landhotels umgebaut wurden, meist umgeben von Olivenhainen und oft mit eigenem Restaurant. Hier lernst du die ländliche Seite Apuliens kennen.
An der Amalfiküste dominieren kleine Pensionen, B&Bs und Boutiquehotels, die oft spektakulär an den Hang gebaut sind. Viele bieten Terrassen mit Meerblick – ein Glas Wein bei Sonnenuntergang dort ist für mich ein unvergesslicher Moment jeder Reise.
Im Salento und in der Basilikata findest du zunehmend Design-B&Bs in historischen Gebäuden, häufig liebevoll renoviert und mit viel Sinn für Details eingerichtet.
Gastronomie: Süditalien zum Schmecken
Ganz ehrlich: Einer der Hauptgründe, warum ich immer wieder nach Süditalien zurückkehre, ist das Essen. Die Küche ist einfach, saisonal und unglaublich aromatisch.
Ein paar Spezialitäten, die du unbedingt probieren solltest:
- Orecchiette in Apulien – kleine „Öhrchen“-Nudeln, oft mit cime di rapa (Stängelkohl) serviert.
- Burrata – die cremigere Schwester der Mozzarella, besonders frisch ein Erlebnis.
- Focaccia Barese – dicke, weiche Focaccia mit Tomaten und Oliven, perfekt als Snack für unterwegs.
- Fritto misto di mare – gemischter, frittierter Fisch, am besten in einfachen Trattorien direkt am Hafen.
- Pastiera, Delizia al Limone & Sfogliatella – süße Köstlichkeiten aus Kampanien, ideal zum Espresso.
- Limoncello – Zitronenlikör, vor allem an der Amalfiküste allgegenwärtig; nach dem Essen eiskalt serviert.
In nahezu jeder Stadt findest du kleine Osterie und Trattorien, in denen die Speisekarte handgeschrieben ist und sich nach dem Angebot des Marktes richtet. Genau dort esse ich am liebsten – fernab der großen Touristenmenüs.
Wenn du Wert auf besondere Adressen legst, lohnt ein Blick in lokale Empfehlungen oder ein Gespräch mit Gastgebern in deiner Unterkunft. Oft kamen meine schönsten kulinarischen Erlebnisse zustande, weil mir jemand „seine“ Lieblingspizzeria oder „ihr“ Lieblingsfischlokal verraten hat.
Ein Roadtrip von Apulien bis zur Amalfiküste ist wie eine Reise durch unterschiedliche Welten, die doch alle durch das gleiche Licht, die gleiche Liebenswürdigkeit der Menschen und die tiefe Verbundenheit zum Meer zusammengehalten werden. Wenn du dich auf die Straßen, Kurven und Begegnungen einlässt, wird dir dieser Teil Italiens lange im Gedächtnis bleiben – so wie mir.
Ella
